Netzwerk21Kongress in Erfurt - DIBZ nominiert für Zeitzeichenpreis

Von Bianca Simonsmeier am 26.10.20120 Kommentare

Unter dem Motto "Nachhaltigkeit gestalten - selbst ist die Region!" fand Mitte Oktober der 6. Bundesweite Fortbildungs- und Netzwerk(21)Kongress für lokale Nachhaltigkeitsinitiativen in Erfurt statt. Der Kongress bietet eine Plattform für Erfahrungsaustausch, Stärkung und Vernetzung lokaler Nachhaltigkeitsinitiativen. Ich selbst nahm im Rahmen meines Engagements für die Initiative DIBZ teil, die auch meine Reise- und Unterbringungskosten deckte. Wenn dich interessiert, was sich hinter dem Thema "lokale Nachhaltigkeitsinitiativen" versteckt, dann lies jetzt weiter. Wenn nicht, überspring den folgenden Absatz und lande direkt bei einem kurzen Bericht über die während des Kongresses angebotenen Workshops.

Die Grundlage für die Arbeit auf lokaler Ebene (also in Städten, Gemeinden, Landkreisen, ...) sind die Empfehlungen und Erkenntnisse aus der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro von 1992 an der 172 Staaten und über 2000 Vertreter von Nicht-staatlichen Organisationen teilnahmen. Damals einigte man sich auf ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert - die sogenannte Agenda21. Wie die einzelnen Länder die im Aktionsprogramm genannten Ziele erreichen wollten, blieb aber unklar. Es gab und gibt keine zentrale staatliche Führung zur Umsetzung des Programms. Daher fingen engagierte Menschen an sich selbst zu organisieren und die Programmziele in ihrer Region oder Kommune umzusetzen. Und das ganz ohne Ideencoach! Diese Bewegung nennt man heute LokaleAgenda21 und beinhaltet alle Bestrebungen ohne zentrale staatliche Steuerung unser Land nachhaltiger zu gestalten. Auch DIBZ ist so ein Bestreben. Erst dieses Jahr gab es eine große Folgekonferenz - die sogenannte Rio+20 Konferenz. Dort wurde noch klarer, dass lokales Engagement der Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit ist.

Der Netzwerk(21)Kongress wurde u.a. von Thüringens Ministerpräsidentin und der Staatssekretärin des BMU eingeleitet. Es gab sogar eine Videobotschaft von unserem Umweltminister. Nach einer Begrüßung und Stehtischdiskussion im Plenum ging es direkt in die Workshops. Ich hatte mir "Konsum und Lebensweisen des Einzelnen als Zukunftsoption aller", "Solidarische Ökonomie" und "Kollaborative Demokratie" ausgesucht. So entdeckte ich im ersten Workshop, dass kleinen Kindern Nachhaltigkeit auch musikalisch näher gebracht werden kann (google: Frau Karen Kassulat). Außerdem bekam ich Einsichten in den Großhandel mit Bio-Lebensmitteln. In Zukunft werden wir wohl in zunehmenden Maß billige Bio-Lebensmittel im Discounter erwerben können. Echte Bio-Produkte können jedoch gar nicht so billig sein. Interessant fand ich auch, dass die Zielgruppe von Bioprodukten hauptsächlich Mütter oder Eltern generell und Allergiker sind. Weltverbesserer kommen erst sehr spät nach Vegetariern und Trendkäufern (google: Herr Thomas Hölscher - Naturkost Erfurt GmbH). Dann wechselte das Thema wieder und es ging um die Auftragsvergabe deutscher Verwaltungen. Jede Verwaltung, ob Bundeskanzleramt oder Führerscheinprüfstelle kauft etwas ein: Kaffee, Kekse, Stühle, Tische, Beamer, Papier, usw. So kommen alleine in Berlin pro Tag ca. 500 Aufträge mit jeweils bis zu 10.000€ Umfang zustande. Hier fließt also eine Menge Geld. Leider gibt es bisher keine Vorgaben, dass die Aufträge auch ökologischen oder sozialen Standards gerecht werden müssen (z.B.: Ämter dürfen nur FairTrade Kaffee kaufen). Bisher entscheidet alleine der Preis über die Auftragsvergabe (google: Herr Kreutzberger). Im Workshop zu Solidarischer Ökonomie wurde es sehr theoretisch. Zum Beispiel gibt es die Vermutung, dass wir 60% unseres Besitzes nur kaufen, um unseren sozialen Status zu erhöhen (google: Dr. Friederike Habermann). Es blieb theoretisch, als es im Workshop zu Kollaborativer Demokratie darum ging, wie wir Bürger denn konkret an Politik mitwirken können und sollten (google: Dr. Christopher Gohl). Einmal gewählt heißt ja nicht, dass unsere Politiker immer machen, was wir wollen.

Zwischendrin wurde noch der Zeitzeiche(N)Preis 2012 verliehen, für den DIBZ zusammen mit zwei anderen Projekten in die Endauswahl kam. Der Preis ging dann aber an die Evangelischen Jugendzentralen Otterbach/Lauterecken und Rockenhausen für ihre Aktion "Dorfleben".

Für mich hat es sich gelohnt an dem Kongress teilgenommen zu haben. Ich habe viele interessante Eindrücke und Gespräche mit nach Hause genommen und wenn ich zu den einzelnen Themen Fragen habe, weiß ich jetzt, an wen ich mich wenden könnte.

Pascal Rickert

Ideen-Coach DIBZ

 

Bild: Preisträger und Nominierte (u.a. Sophie Scholz - Mitglied e-fect eG; Pascal Rickert - Ideen-Coach)